KünstlerInnen 2020

SYLVIE COURVOISIER – MARK FELDMAN DUO

Sylvie Courvoisier: Piano

Mark Feldman: Violin

Das Duo ist die intimste Form des gemeinsamen Improvisierens. Seit mehr als zwanzig Jahren leben und arbeiten die Schweizer Pianistin Sylvie Courvoisier und der amerikanische Geiger Mark Feldman gemeinsam in Brooklyn. Aus lang gewachsenem, gegenseitigem Vertrauen hat sich die Freiheit des musikalischen Loslassens und Wiederfindens entwickelt, ebenso wie die Neugier, das gemeinsame Klanguniversum weiter auszuloten. «Als wir uns kennenlernten, hatte Mark bereits mehr Erfahrung, mittlerweile sind wir auf einer Ebene und haben neben einem grossen Repertoire eine gemeinsame Sprache entwickelt», so Courvoisier im Interview. Das Vokabular ihrer perkussiven Klangstrukturen und zärtlich verzweigten Melodien bilden Elemente aus der Neuen Musik, der europäischen Kammermusik und dem Jazz. Die «New York Times» schrieb über ihr Duo: «brillant und abenteuerlustig, dynamisch und furchtlos». 

CORY SMYTHE 

Cory Smythe: Piano

Der Ausnahmepianist Cory Smythe gewann gemeinsam mit der Geigerin Hilary Hahn einen Klassik-Grammy, trat beim Darmstädter Festival für Neue Musik auf, führte im vergangenen Jahr gemeinsam mit Sylvie Courvoisier an zwei Flügeln «La Consagración de la Primavera» («Au sacre du printemps») von Strawinsky auf, spielt mit Anthony Braxton, Tyshawn Sorey und Ingrid Laubrock und wurde von der «Washington Post» für sein rohes und gleichzeitig raffiniertes und feinfühliges Spiel gelobt. Dazu spielt er mit fiktiven Ausgangsszenarien: Für sein Album «Circulate Susanna» entwarf er eine Kindheit im ländlichen Illinois als Sohn eines Square-Dance-Vorsängers – für «Autotrophs» eine alternative Realität im Umfeld der französischen Spektralmusik der Achtzigerjahre. Über sein Album «Pluripotent» sagte der Pianist Jason Moran, es sei «zweifellos eine der besten Soloaufnahmen, die ich je gehört habe». 

 
 

NOFLORES & RAMON LANDOLT

Ramon Landolt: Piano, Synths, Electronics

Dave Gisler: Guitar

Tobias Meier: Saxophone

Jonas Ruther: Drums

Das Schweizer Trio NoFlores um Gitarrist Dave Gisler, Saxofonist Tobias Meier und Schlagzeuger Jonas Ruther entwickelte bereits 2013 eine eigene Klangwelt, bei der die Melodie fast schwerelos im Raum zu schweben schien − zu hören auf ihrem 2014 erschienenen Album «Let Them Come». «Jazz’n’more» bescheinigte dem ausdrucksvollen Spiel von Tobias Meier «die Körperlichkeit des Klangs». Für das diesjährige Taktlos wird das Trio um den Pianisten und Klangtüftler Ramon Landolt ergänzt, der neben dem Trio Heinz Herbert mit TomRamon ein Soloprojekt gestartet hat, bei dem er «biodigitale» Musik im Bereich von elektronischer und Computermusik erforscht. In ihrem diesjährigen Zusammenspiel stehen mit Gisler, Meier, Ruther und Landolt vier junge Schweizer Musiker auf der Bühne, die intellektuell und humorvoll die Grenzen der kollektiven Improvisation erweitern. 

 

AKI TAKASE – INGRID LAUBROCK DUO

Aki Takase: Piano

Ingrid Laubrock: Saxophones

Es ist dem Journalisten und langjährigen Leiter des Berliner JazzFests Richard Williams zu verdanken, dass mit Aki Takase und Ingrid Laubrock zwei aussergewöhnliche Musikerinnen im Duo zusammenfanden. Während des JazzFests 2016 zeigten sie im intimen Rahmen des Jazzclubs A-Trane, wie physisch intensiv und auf höchs-tem Niveau sich eine gemeinsame Improvisation ent-wickeln kann. Dazu schrieb Williams in den Liner Notes zu ihrem Duo-Album «Kasumi» (Frühlingsdunst), das 2018 in Winterthur aufgenommen wurde: «Jazz ist die Kunst des Dialogs: Zwei der grossartigsten Musikerinnen des heutigen Jazz von verschiedenen Kontinenten und Generationen bringen die Musik zum Glitzern. Mit wundervollen Dialogen, die Freude, Witz und Wärme ausstrahlen oder den Atem in stiller Intensität anhalten, um den Bann nicht zu brechen.» 

 

DREW GRESS SOLO

Drew Gress: Bass

Als einer der massgeblichen Bassisten der New Yorker Downtown-Szene seit den Achtzigerjahren bis heute prägte Drew Gress den Klang von Aufnahmen von Don Byron bis Dave Douglas. Das Magazin «Jazz Times» schrieb über ihn: «Gress hat nicht nur einen der klangvollsten tiefen Töne des zeitgenössischen Bassspiels im Modern Jazz, er ist auch einer der versiertesten Komponisten der Szene. Mit aussergewöhnlicher Ästhetik und Balance zwischen diszipliniertem Spiel und offener Hingabe.» Und die «New York Times» bestätigte: Drew Gress ist «unerbittlich kreativ». Diese Kreativität und Vielseitigkeit im Bereich der Improvisation zeigt er am Taktlos im Trio mit Sylvie Courvoisier und Kenny Wollesen ebenso wie in seiner Solo-Performance mit neuen Kompositionen. 

 

MARY HALVORSON’S CODE GIRL

Amirtha Kidambi: Vocals

Maria Grand: Saxophone, Vocals

Adam O’Farrill: Trumpet

Mary Halvorson: Guitar

Michael Formanek: Bass
Tomas Fujiwara: Drums

Für Code Girl, benannt nach einer Bemerkung ihres Lehrers Anthony Braxton – und weil sie selbst ihre Texte am Anfang als «kodiert und seltsam» wahrnahm −, hat die New Yorker Gitarristin Mary Halvorson zum ersten Mal Lyrics zu ihren Kompositionen geschrieben. Für deren Interpretation hat sie ihr vor zwanzig Jahren gegründetes Trio mit Michael Formanek (Bass) und Tomas Fujiwara (Schlagzeug) um den Trompeter Adam O’Farrill sowie die indisch-amerikanische Sängerin Amirtha Kidambi erweitert, die in ihren Gesang ihre Erfahrungen mit klassisch-hinduistischem Gesang, Art Rock und Free Jazz einfliessen lässt. Für den Auftritt am Taktlos hat Halvorson ausserdem die Schweizer Saxofonistin Maria Grand eingeladen. 2019 wurde Mary Halvorson die renommierte MacArthur Fellowship verliehen. Für Code Girl wurde sie von den Kritikern der Zeitschrift «Downbeat» erneut zur besten Gitarristin des Jahres 2019 gewählt. Die «New York Times» feierte das Projekt als «kühnes Experiment in Liedform». 

 

FRED FRITH & SONIC BASEL SPACE BAND
Komposition «Failing better»

Fred Frith: Leader/Guitar • Lara Miriam Süß: Vocals

Marie-Louise Schneider: Vocals • Sylvain Monchocé: Flute/Saxophone Catalina Andrea Gutiérrez Muñoz: Clarinet • Chi Him Chik: Saxo-phone/Electronics • Daniil Gorokhov: Trombone • Iulia-Andreea Smeu: Violin • María Muñoz López: Violin • Nora Vetter: Viola

Paula Celina Sanchez Mugas: Violoncello • Benjamin Coyte: Cello Christian Moser: Oud • Jacek Chmiel: Guitar Nejc Grm: Accordion Daniela Petry: Bass • Ludovica Bizzarri: Percussion • Jakub Miarczynski: Percussion • Roberto Maqueda Dominquez: Percussion

Sonic Space ist die Plattform für Komposition, Improvisation, Performance, Audiodesign und Forschung der Musikakademie Basel. Gemeinsam mit seinen Studierenden wird Fred Frith, britischer Gitarrist, Multiinstrumentalist und Professor für Improvisation, sein im vergangenen Hochschuljahr erarbeitetes Projekt aufführen. Frith, Erfinder der «Third-Bridge-Gitarre», die über einen dritten Steg verfügt, spielte im Bereich Neuer Musik und Jazz u. a. mit dem Arditti Quartett, dem Ensemble Modern, Butch Morris, George Lewis und John Zorn und lehrte am Mills College in Oakland, wo schon in den Vierzigerjahren John Cage und Lou Harrison im Bereich experimenteller Musik forschten. Jetzt fortgesetzt in Basel und präsentiert am Taktlos. 

 

MARK FELDMAN MANIAC

Mark Feldman: Violin

Uri Caine: Piano 

Drew Gress: Bass

Tom Rainey: Drums

Der Name ist Programm. Mit seinem New Yorker Quartett Maniac taucht der Geiger Mark Feldman in die Tiefen der Improvisation ein, begleitet von langjährigen Weggefährten, wie dem Pianisten Uri Caine, dem Schlagzeuger Tom Rainey und dem Bassisten Drew Gress, der am diesjährigen Taktlos auch im Trio von Sylvie Courvoisier und solo zu hören ist. Feldman, über den «All About Jazz» schrieb, er sei derzeit «der gefragteste Geiger zeitgenössischer kreativer improvisierter Musik», sieht die Geige hier nicht als Ergänzung zum klassischen Pianotrio, sondern drei saitenbasierte Instrumente mit Schlagzeug als Plattform für eine kollektive Improvisation. Das Ergebnis zeigt den State of the Art der New Yorker Downtown-Szene. 

 

CLAIRE HUGUENIN – MALCOLM BRAFF DUO

Claire Huguenin: Vocals, Electronics

Malcolm Braff: Piano

Auch bei der französisch-schweizerischen Sängerin Claire Huguenin, die ihre Stimme als Instrument einsetzt, und dem Schweizer Pianisten Malcolm Braff, der als Sohn eines Missionars in Kap Verde und im Senegal aufwuchs, bevor er an der Universität Genf Musikwissenschaft studierte und 1991 sein erstes Jazztrio gründete, kommen eine intensive persönliche Beziehung und die Intensität der gemeinsamen Duo-Improvisation zusammen. Wechselseitig untermalt Braff mit komplexen Formen die Klangakzentuierungen, Texte und sehr ungewöhnlich interpretierten Jazzstandards der melodischen Jazzstimme von Huguenin – während sie mit zauberhaft tanzenden Vokalimprovisationen seinen rhythmischen Klangbildern folgt. Die Kunst des Duos. 

 

SYLVIE COURVOISIER TRIO

Sylvie Courvoisier: Piano

Drew Gress: Bass

Kenny Wollesen: Drums

Die Kompositionen auf ihrem 2018 erschienenen Album «D’Agala» – ihrem elften Album bei Intakt − hat Sylvie Courvoisier besonderen Menschen gewidmet, die sie in ihrem Leben beeinflusst haben: wie die Pianistin Geri Allen, der Gitarrist John Abercrombie, die französische Frauenrechtsaktivistin und Holocaust-Überlebende 

Simone Veil sowie die Künstler und Bildhauer Martin Puryear und Louise Bourgeois. Mit ihren Triobegleitern Drew Gress und Kenny Wollesen entstehen so sehr persönliche, intensive Portraits voller Schönheit und spielerischer Lust. Am diesjährigen Taktlos wird sie nicht nur einige dieser Kompositionen vorstellen, sondern auch die ihres kommenden Trioalbums, das ihrer Familie und den Musikern ihres Trios gewidmet ist. 

 

SARTORIUS POINT

Hans-Peter Pfammatter: Spinet, Synths

Shahzad Ismaily: Banjo, Synths

Julian Sartorius: Drums, Percussion

Julian Sartorius ist ein Suchender. Über den Schweizer Schlagzeuger und Perkussionisten, der u. a. mit Sophie Hunger, Co Streiff, Sylvie Courvoisier und Fred Frith zusammenarbeitete, schrieb die «NZZ»: «Sein Spiel ist ständige Klangforschung.» Mit verschiedenen Materialien und vielfältig geschichteten rhythmischen Mustern lässt Sartorius weit gefächerte Klangformen entstehen, die er auf seinen Reisen durch neue Erkundungen der «verborgenen Töne» gefundener Objekte und präparierter Instrumente ergänzt. So passt es, dass er sein Trio mit dem Pianist Hans-Peter Pfammatter und dem amerikanischen E-Bassist Shahzad Ismaily Sartorius Point nennt – nach dem Entdecker einer Landspitze der Südlichen Shetlandinseln in der Subantarktis, mit dem er den Namen teilt. 

 

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